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Linfield FC vs Carrick Rangers FC

  1. Datum 10.03.2012, 15.00 Uhr
  2. Ort Belfast
  3. Stadion Windsor Park » Besuchte Spiele
  4. Liga 1. Liga Nordirland (IFA Premiership)
  5. Ergebnis 4 : 1 (1 : 1)
  6. Zuschauer 2.000

Von englischem Lager, irischem Whiskey und schottischem Ale (6)

Dublin und Belfast liegen nur etwa 140 km Luftlinie voneinander entfernt, doch die beiden Städte trennen Welten. Es geht damit los, dass es nicht möglich ist, im Vorhinein einen Bus von einer Stadt in die andere zu buchen. Nachdem wir uns am Tag zuvor vergewissert hatten, dass eine Platzreservierung nicht notwendig sein würde, liefen wir am Sonnabendmorgen wieder zum Busbahnhof. Dort konnten wir für 13,50 € das Gefährt besteigen, welches uns in zweieinhalb Stunden in den Norden der Insel brachte. In Belfast angekommen, steuerten wir zunächst unsere Herberge an. Für 8 Pfund die Nacht hatten wir wohl die billigsten Betten der Stadt gebucht. Dafür erwartete uns aber auch eine auf den ersten Blick ziemlich schäbige Absteige, die in einem scharfen Kontrast zu unserer Unterkunft in Dublin stand. Das Zimmer war mit sieben zusammengewürfelten Doppelstockbetten zugestellt und auch die Bettwäsche sah nicht besonders vertrauenerweckend aus. Egal, erst mal die Sachen eingeschlossen und dann ab ins Stadtzentrum. Auch dort bot sich ein gewöhnungsbedürftiger Anblick. Die Vorliebe der britischen Jugend, auch im öffentlichen Raum Jogginghosen zu tragen, war mir ja bereits bekannt, aber das hier schlug doch dem Fass den Boden aus. Überall lungerten Gruppen sportlich gekleideter Teenager herum, die am Wochenende anscheinend nichts Besseres zu tun hatten, als in der Stadt abzuhängen und die Passanten zu stressen. So war mir nicht wirklich wohl dabei, meine Freundin allein in der Stadt zurückzulassen und mich zum Stadion aufzumachen.

Nach einer halben Stunde erreichte ich das nordirische Nationalstadion gerade noch rechtzeitig zum Anpfiff. Der gastgebende Linfield FC hat bereits 50-mal die irische bzw. nordirische Meisterschaft gewonnen und kann damit nach den Glasgow Rangers weltweit die zweitmeisten Meistertitel vorzeigen. Mit eben jenem Verein aus Schottland verbindet den Verein zudem eine Fanfreundschaft, die vor allem auf der gemeinsamen politischen Einstellung beruht. So fielen neben der hohen Anzahl an Glatzen auch die vielen Fanartikel der Schotten auf. Linfield ist als Tabellenführer auf dem besten Weg zum nächsten Meistertitel, während die Gäste als Schlusslicht anreisten. Nach der frühen Führung für die Heimelf schien das Spiel daher bereits gelaufen, doch den Gästen – die von einer Handvoll Fans auf der Gegengeraden unterstützt wurden – gelang mit einem Fernschuss der Ausgleich. Danach verteidigten sie wacker das Unentschieden und retteten sich in die Pause. Von der Heimseite war kein einziger Fangesang zu hören, stattdessen wurde zumeist die eigene Mannschaft bepöbelt. Auch nach der Pause änderte sich nichts, die Heimmannschaft rannte an, ohne wirklich zu Chancen zu kommen. Irgendwann gelang ihr dann etwas glücklich doch ein Treffer, wonach die Gäste auseinanderfielen und sich abschießen ließen.

Anschließend traf ich mich wieder mit meiner Begleiterin, um die äußeren Stadtbezirke zu erkunden. Unweit des Stadions überquerten wir eine Bahnstrecke und fanden uns auf dem berüchtigten Broadway wieder. Auf beiden Seiten verlassene Reihenhäuser, die ersten Murals an den Hauswänden. Am Ende einer Straße schlug ein kleiner Junge unaufhörlich auf einen Mast ein, ein paar Mädchen riefen uns ein paar Nettigkeiten hinterher. Gespenstisch. Wir liefen weiter zur Falls Road, die durch ein republikanisches – also irisch-katholisches – Viertel verläuft. Von der Hauptstraße aus erspähten wir weitere Murals und wagten uns tiefer in ein Wohngebiet hinein. Auf einmal kippte die Stimmung um uns herum, aus bösen Blicken wurden Worte, ein Autofahrer hielt an und gab uns klar zu verstehen, dass wir hier nicht erwünscht seien. Irgendwie verständlich, wenn jeden Tag zig Touris angelatscht kommen, um ein wenig Hass und Elend vor die Linse zu bekommen. Zudem waren die republikanischen Viertel zu Zeiten der Troubles von der IRA kontrollierte „no-go areas“, die zeitweise nicht mal das britische Militär betreten konnte. Meiner Freundin war jedenfalls die Lust an weiteren Abenteuern gründlich vergangen, sodass wir uns ins Stadtzentrum zurückzogen und den Abend im Pub ausklingen ließen. Auf dem Rückweg zur Unterkunft wurde uns einmal mehr der Unterschied zu Dublin vor Augen geführt. Tummelten sich am Vorabend in der irischen Hauptstadt noch etliche Menschen auf den Straßen, waren diese hier wie ausgestorben.

Am nächsten Morgen begleitete ich meine Freundin, die am Abend in Aberdeen schon wieder hinter der Theke stehen musste, zum Flughafen. Ich wollte noch einen Tag länger in Belfast bleiben und stattete zunächst dem in der Nähe gelegenen Oval einen Besuch ab. Für mich eines der schönsten Stadien überhaupt, für das ich sicher noch einmal nach Belfast zurückkehren werde. An einer Stelle hätte ich problemlos hineinklettern können, doch da mich neben den auf der Insel omnipräsenten Überwachungskameras auch schon ein misstrauischer Anwohner ins Auge gefasst hatte, ließ ich es lieber bleiben. Zumal ich mich noch zu gut daran erinnern konnte, wie ich vor zwei Jahren in Paisley beim nächtlichen Herumstöbern im halb abgerissenen Stadion an der Love Street entdeckt wurde und gut zu tun hatte, über eine Mauer zu entkommen. Nachdem das Geisterspiel gegen Ingolstadt im Liveticker verfolgt worden war, wagte ich mich noch einmal in das unionistisch-protestantische Viertel rund um die Shankill Road. Aufgrund der Erfahrungen des Vortages blieb dabei der Blick stets desinteressiert gesenkt und die Kamera verborgen, sodass weitere Konfrontationen vermieden werden konnten. Am Ende war ich dann an der mehrere Meter hohen „peace wall“ angelangt, die die beiden Viertel voneinander trennt. Die einzige Verbindungsstraße ist mit Toren versehen, die nachts anscheinend immer noch schließen. Schon krass. Es bleibt abzuwarten, wie sich die Situation weiter entwickelt. Fakt ist, dass aufgrund der höheren Geburtenrate in den katholischen Vierteln mittlerweile Wohnungsknappheit herrscht, während auf der anderen Seite Wohnungen leer stehen und abgerissen werden. Die neuesten Pläne, die Mauern ganz zu beseitigen, scheinen aber auf beiden Seiten auf wenig Gegenliebe zu stoßen. Dafür sitzt der Hass wohl noch zu tief.

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