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Banks O' Dee FC vs Fraserburgh FC

  1. Datum 14.03.2012, 20.00 Uhr
  2. Ort Peterhead
  3. Stadion Balmoor Stadium » Besuchte Spiele
  4. Liga Regionalpokal (Aberdeenshire Shield)
  5. Ergebnis 0 : 5 (0 : 3)
  6. Zuschauer 731

Von englischem Lager, irischem Whiskey und schottischem Ale (7)

Nachdem ich die letzte Nacht überraschenderweise ganz allein im 14-Bett-Zimmer verbringen durfte, sollte es am Montag weiter nach Schottland gehen. Da es preislich keinen großen Unterschied gemacht hätte, wurde auf einen Direktflug nach Glasgow verzichtet. Stattdessen entschied ich mich, mit der Fähre nach Cairnryan überzusetzen. Ein Bus brachte mich vom Stadtzentrum bis zum Dock, wo ich mich nach kurzer Wartezeit einschiffen konnte. Das Schiff hatte mehr von einem Kreuzfahrtschiff, als von einer Fähre. Auf mehreren Decks gab es Restaurants, Läden, Spielhöllen und sogar ein Kino. Mit Ausnahme eines sündhaft teuren Mittagessens nahm ich keines der Angebote wahr und beschränkte mich darauf, die zweieinhalbstündige Überquerung der Irischen See am Fenster zu verfolgen. Dank eines ruhigen Seegangs legte das Schiff fast auf die Minute genau an und ich verließ gleich mal als Erster das Schiff über die Gangway. Der Bus nach Glasgow stand schon bereit, sodass es alsbald an der Küste entlang gen Nordosten weiter ging. Ich hatte ganz vergessen, wie wunderschön doch die karge Hügellandschaft Schottlands ist, und konnte mich kaum sattsehen. Die Häuser entlang der Strecke hingegen waren teilweise schon etwas erbärmlich anzusehen und weckten in mir das altbekannte Gefühl, dass die Schotten tief im Innersten immer noch Highlander sind, denen das Leben in Städten einfach nicht liegt. In Glasgow war es dann eine echte Punktlandung. Aus dem Bus gedrängelt und sofort in den Bus nach Aberdeen gestiegen, der zum Glück direkt daneben stand. Schon war die Tür zu und die Fahrt ging weiter. In der Eile dummerweise neben eine Dame mit Kopfhörern gesetzt, sodass ich die nächste Stunde mit Techno-Mucke beschallt wurde. In Perth endete die Tortur und die Alte stieg aus. Nach weiteren zweieinhalb Stunden erreichte ich Aberdeen und hatte somit in knapp sieben Stunden die schottischen Lowlands einmal von Südwesten nach Nordosten durchquert. Es war schon ein komisches Gefühl, wieder in die Stadt zurückzukehren, in der ich einst ein reichliches halbes Jahr mein Dasein fristete. Wie von selbst lenkten mich meine Füße an in die nächste Querstraße und tatsächlich: da war er immer noch, der Sachsen Leipzig-Aufkleber, dem ich damals aus Materialmangel nicht beikommen konnte. Wenige Augenblicke fand dieser Mistverein auch hier sein Ende, von nun an grinst Peter Pixel auf die Passanten herab. Jetzt ging es mir schon wesentlich besser. Kurz darauf stand ich auch schon in der Bude meiner Freundin, die zusammen mit zwei weiteren Polen in einer WG lebt. Doch bevor ich Bekanntschaft mit der Matratze schließen konnte, ging es noch auf einen Absacker in den Pub.

Am folgenden Tag stattete ich zunächst meiner ehemaligen Uni einen Besuch ab. Kaum hatte ich die Mensa betreten, wurde ich auch schon von zwei früheren Zimmernachbarn enttarnt. Auch an der Essensausgabe standen immer noch die gleichen alten Weiber, herrlich. Allerdings erkannten die beiden weder mich, noch meinen Geldschein. Anders als in England und Wales, wo allein die Bank of England Geldscheine in den Umlauf bringen darf, steht dieses Recht in Nordirland und Schottland auch verschiedenen Privatbanken zu. Dies führt dazu, dass es für jede Pfundnote mehrere Varianten gibt, die oftmals in den anderen Landesteilen nicht akzeptiert werden. An manchen Stellen ist das Vereinigte Königreich dermaßen rückständig, dass man als Kontinentaleuropäer nur ungläubig den Kopf schütteln kann. Nach einigem Hin und Her bekam ich dann aber doch noch eine warme Mahlzeit für mein Geld. Anschließend setzte ich meine Erinnerungstour fort und erreichte bald das Pittodrie, Stätte meines ersten Spielbesuchs auf der Insel. Auch die Tage dieses unweit des Strandes gelegenen Stadions mit seiner wuchtigen Hintertortribüne sind gezählt. Schon bald soll es abgerissen und durch einen Neubau im Süden der Stadt ersetzt werden. Am Abend hatte meine Freundin eine weitere fünfeinhalbstündige Schicht in einer Bar um die Ecke zu bewältigen, wobei ich ihr aus Solidarität Gesellschaft leisten wollte. Zunächst verging die Zeit recht schnell. Ich kam mit zwei Franzosen ins Gespräch und freute mich mit ihnen über das Last Minute-Tor von l‘OM in Mailand. Als sich die beiden verabschiedeten, waren aber immer noch zwei Stunden totzuschlagen. Da sich meine Lieblingskellnerin natürlich auch um ihre Stammgäste kümmern musste, widmete ich mich nun ganz dem Alkohol, der praktischerweise gleich im Pitcher – knapp zwei Liter – serviert wurde. Am Ende schrammte ich nur knapp am Absturz vorbei und konnte mich gerade noch allein die paar Meter zurückschleppen.

Die Welt hat viele Enden, doch Peterhead ist mit Sicherheit eines davon. Die Stadt liegt etwa 50 km von Aberdeen – das sich ja auch schon mitten im Nirgendwo befindet – entfernt an der östlichsten Spitze des schottischen Festlandes und ist nur mit dem Bus zu erreichen. Daher kann sich der örtliche Drittligist Peterhead FC damit rühmen, der Verein im britischen Profifußball zu sein, dessen Stadion am weitesten von der nächsten Bahnstation – Aberdeen eben – entfernt ist. Doch am Mittwochabend sollten zwei andere Teams im Balmoor Stadium auflaufen. Im Finale des Aberdeenshire Shield trafen der Banks O‘ Dee FC aus Aberdeen, dessen eigentliches Stadion – wie der Name vermuten lässt – am Ufer des Flusses Dee zu finden ist, und der Fraserburgh FC aus dem gleichnamigen benachbarten Küstenstädtchen aufeinander. Bei beiden handelt es sich um so genannte Non League-Clubs. Ein paar Worte zum schottischen Ligensystem: Wie in England gibt es in Schottland vier Profiligen. Allerdings handelt es sich in Schottland um ein geschlossenes System, was bedeutet, dass – anders als in England – kein Verein aus der vierten Liga absteigen und somit auch kein Amateurverein auf sportlichem Wege in den Profibereich vordringen kann. Unterhalb der Profiligen gibt es dann keine einheitliche Struktur mehr. Zum einen existieren drei Regionalligen, die zusammen mit den Profiligen den Senior football bilden und somit als fünftklassig angesehen werden können. Eine davon ist die Highland League, in der Fraserburgh spielt. Davon unabhängig steht der Junior football, der dem Namen zum Trotz nichts mit Nachwuchsfußball zu tun hat und ebenfalls in drei Regionen aufgeteilt ist. Der Banks O‘ Dee FC geht in der Premier League der Nordregion auf Punktejagd. Und um das Durcheinander perfekt zu machen, sei noch erwähnt, dass neben den beiden genannten auch noch ein Amateur football- und ein Welfare football-System besteht. Klingt komisch, ist aber so. Am Aberdeenshire Shield nehmen sowohl Senior-, als auch einzelne Junior-Clubs aus Aberdeenshire und aus Aberdeen teil, wobei daneben mit dem Aberdeenshire Cup noch ein fast identischer Wettbewerb ausgetragen wird. Wer sich darüber hinaus für den schottischen Amateurfußball interessiert, dem sei zu guter Letzt noch die Seite nonleaguescotland.co.uk ans Herz gelegt.

All dies interessierte mich zu dem Zeitpunkt jedoch herzlich wenig, denn ich stand vor einem Problem. Zwar würde ich mit dem Bus zum Spiel kommen, aber anschließend nicht wieder zurück. Der letzte Bus nach Aberdeen würde 21:30 Uhr abfahren. Auf Anfrage erfuhr ich, dass eine Übernachtung trotz eines 10%-Rabatts für Fußballfans immer noch knapp 40 Pfund kosten sollte. Das war nicht drin. So begab ich mich auf eine Fahrt ins Ungewisse. Diese führte entlang der Küste immer weiter nach Norden. Mit zunehmender Dauer verdunkelte sich der Himmel, während die Ortschaften immer mehr abnahmen. Zeitweise fuhren wir durch völlige Finsternis, nur weit draußen auf der See schimmerte schwach das Licht der Ölplattformen. Als am Ende der Reise die Lichter von Peterhead auftauchten, hatte ich wirklich das Gefühl, am Ende der Welt angelangt zu sein. Das Stadion war schnell ausfindig gemacht und ich reihte mich in die erstaunlich lange Schlange am Drehkreuz ein. Als ich endlich an der Reihe war, kam es zu einer seltsamen Begebenheit. Ich hielt dem Kassenwart meinen alten Studentenausweis aus Aberdeen unter die Nase und fragte nach einer Ermäßigung, worauf dieser in die Kasse griff, mir 6 Pfund in die Hand drückte und mich passieren ließ. Nach diesem unverhofften Geldsegen gönnte ich mir gleich mal zwei Cheeseburger, bevor ich mich auf die Suche nach einer Mitfahrgelegenheit nach Aberdeen machte. Leichter gesagt als getan, denn dieses Unterfangen glich der berühmten Suche nach der Stecknadel im Heuhaufen. Falls einer der reichlich 700 Anwesenden mit Fanartikeln ausgestattet war, waren diese stets in den schwarz-weißen Farben von Fraserburgh gehalten. Auch ein zu Hilfe gezogener Ordner konnte mir nicht weiter helfen. Allerdings kam er nach einer Weile noch einmal mit dem klugen Einfall zurück, dass sich die Fans aus Aberdeen bei einem Tor ihrer Mannschaft bestimmt zu erkennen geben würden. Ach nee. Diesen Gefallen tat mir diese aber nicht, stattdessen stand es zur Pause bereits 3:0 für Fraserburgh. Auch einige stichprobenartige Nachfragen unter den Leuten, die bei den Toren auf Beifallsbekundungen verzichtet hatten, brachte kein Erfolg. Als sich herausstellte, dass nicht einmal der mit einer Aberdeen FC-Mütze ausgestattete Programmverkäufer aus Aberdeen kam, gab ich auf. Pflichtbewusst verfolgte ich noch das erste Drittel der zweiten Hälfte, dann joggte ich zurück zur Bushaltestelle. So erreichte ich beizeiten Aberdeen und ließ den Abend bei meiner Freundin an der Bar ausklingen.

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  5. Banks O' Dee FC vs Fraserburgh FC am 14.03.2012

Aberdeen und das Pittodrie Stadium

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