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Rochdale AFC vs Torquay United FC

  1. Datum 16.02.2013, 15.00 Uhr
  2. Ort Rochdale
  3. Stadion Spotland Stadium » Besuchte Spiele
  4. Liga 4. Liga ENG (Football League 2)
  5. Ergebnis 1 : 0 (1 : 0)
  6. Zuschauer 2.351

Zu Besuch an der Merseyside

Nachdem der beste Kumpel nun schon seit 4 Monaten durch England tourt, war es höchste Zeit, selbst mal wieder auf der Insel vorbeizuschauen. Die einwöchigen Winterferien eigneten sich da hervorragend. Die Reise begann am Donnerstagnachmittag und war nach wenigen Minuten fast schon beendet. An alles hatte ich gedacht, nur nicht noch mal ins Portemonnaie geguckt. Als ich dann den Bus zum Bahnhof besteigen wollte, fand ich darin kein Kleingeld mehr. So konnte ich dem Busfahrer nur einen Fuffi unter die Nase halten, doch wie befürchtet schüttelte der den Kopf. Nach einem kurzen Anflug von Panik – mein Zug fuhr in einer halben Stunde – erspähte ich im hinteren Busteil meine westdeutsche Wohnheimsgenossin. Also mal schnell auf Deutsch durch den Bus gebläkt und schon erhielt ich einen Soli-Euro. Es konnte also losgehen. Zunächst beförderte mich die französische Staatsbahn – diesmal etwas billiger als die letzten beiden Male – nach Dijon. Dort stand der Nachtbus nach London schon an der Anzeigetafel. Noch eine Stunde Wartezeit, alles easy. Natürlich hielt ich es nicht lange im warmen Bahnhof aus, sondern stellte mich schon eine halbe Stunde vor Abfahrt raus in die Kälte, um alle Bussteige einsehen zu können. Man weiß ja nie. Die Minuten krochen dahin, ich rauchte die fünfte Kippe, dann war die halbe Stunde rum und der Bus verschwand von der Anzeigetafel. Nach zwanzigminütigem nervösen Hin- und Herlaufen war ich schon kurz davor die Infohotline zu wählen, doch dann entdeckte ich in einer Nebenstraße ein Eurolines-Büro. Dort erhielt ich die Auskunft, dass sich die Abfahrt um eine Stunde verzögern würde. Also nahm ich wieder meinen Platz ein, fror weiter vor mich hin und sah dem Youngster neben mir dabei zu, wie er sich mit der von mir erschlauchten Kippe einen Joint baute. Er hatte gerade sein Werk vollendet, da bog endlich mein Bus um die Ecke. Hinein in die Kiste, die fast ausschließlich mit farbigen und arabischen Mitbürgern besetzt war, und in den Passivmodus geschaltet.

In Paris konnte ich einen Platz auf der Rückbank ergattern, die ich mir fortan mit zwei schwarzen Muddis teilte. Eine der beiden benutzte – mit meiner Erlaubnis – meinen Rucksack als Kopfkissen und so wurde es schön gemütlich. Gegen halb zwei erreichten wir Calais, wo an der britischen Passkontrolle für eine meiner neuen Freundinnen erst mal Ende Gelände war. Als unser junger Busfahrer kurz davor war, die Nerven zu verlieren, wurde sie dann doch durchgelassen. Der Bus raste auf die Fähre und schon legte diese ab. An Bord genehmigte ich mir eine kleine Mahlzeit zum großen Preis und beobachtete das Treiben. Um diese Uhrzeit nutzten außer meiner Busbesatzung fast ausschließlich Osteuropäer die Fähre. Einer cooler angezogen als der nächste, feinstes Menschenkino. Dann waren die anderthalb Stunden auch schon rum und es ging zurück in den Bus. Eine Mütze Schlaf später rollten wir schon durch London und wenig später stieg ich einmal mehr an der Victoria Station aus. Ich war noch keine fünf Minuten in London, da musste ich schon einem Engländer den Weg weisen. Aber man hilft doch gern. Ich hatte nun über drei Stunden totzuschlagen und steuerte den Bahnhof an. Dort wurde erst mal schön gefrühstückt, während um mich herum die Stadt zum Leben erwachte. Vereinzelt lungerten noch ein paar OL-Fans im Bahnhof herum, die am Vorabend bei Tottenham verloren hatten. Nach einer Weile wurde es mir hier zu hektisch und ich zog mich wieder in den Busbahnhof zurück, wo die letzte Stunde dank kostenlosem WiFi im Internet überbrückt wurde. Schließlich fuhr der Bus nach Liverpool vor und ich nahm wiederum die Rückbank in Beschlag. Fünf Stunden später und auf die Minute genau 24 Stunden, nachdem ich in Frankreich den Fuß vor die Tür gesetzte hatte, endete meine Reise an der Merseyside in Liverpool. Dort empfing mich Franz und wenig später saß man auch schon im Pub.

Am nächsten Tag sollte es endlich wieder englischen Fußball zu sehen geben. Die Auswahl des Spiels gestaltete sich allerdings etwas schwierig, da Franz nach drei Tagen hatte einsehen müssen, dass das Hausieren in einer Fremdsprache doch nicht so seins ist. Somit war’s Essig mit dem rollenden Rubel und größere Sprünge waren nicht drin. Die nähere Umgebung gab am Wochenende aber nicht viel her und war zudem von Franz schon ganz gut abgegrast worden. Schließlich einigte man sich auf das nordöstlich von Manchester gelegene Rochdale. Der heimische Rochdale AFC hat es zweimal in die Geschichtsbücher geschafft. Zum einen erreichte man 1962 als Viertligist das Finale des League Cup, ein Kunststück, was erst in diesem Jahr von Bradford City wiederholt werden konnte. Zum anderen stellte man einen Rekord auf, indem man von 1974 bis 2010 36 Jahre durchgängig in der vierten Liga spielte und somit bis heute in England als Inbegriff der Viertklassigkeit gilt. Nichts wie hin da. Nach einer halben Stunde Fußmarsch hatten wir das Stadion lokalisiert und ich marschierte zielgerichtet durch das „Concessions“-Drehkreuz. Kostenpunkt 10 Pfund. Nachdem ich mich eine Weile lang am Stadion ergötzt und die ersten Fotos geschossen hatte, begann ich mich zu wundern, wo denn mein Kumpane abgeblieben war. Schließlich betrat er das Stadion und fragte mich interessiert, ob ich auch 15 Pfund bezahlt hätte. Er war ganz schlau gewesen und hatte erst mal nach einem „Student-Ticket“ gefragt, woraufhin man ihn zum Ticketschalter schickte. Dort war ihm mitgeteilt worden, dass es sich dabei um ein U21-Ticket handelt. In der Überzeugung, alle Sparmöglichkeiten ausgeschöpft zu haben, war er anschließend blind durchs „Adult“-Drehkreuz gelaufen. Wer’s hat. Vor Spielbeginn stärkte ich mich noch mit einem Pie und dann wurde auf der Stehtribüne hinterm Tor Stellung bezogen.

Schon nach wenigen Minuten war klar, dass hier heute stimmungstechnisch gar nichts geht. Also mal wieder eines dieser Spiele, wo man sich mangels anderweitiger Ablenkung ganz auf das Geschehen auf dem Platz konzentriert und merkt, wie wenig man sich doch eigentlich für Fußball interessiert. Wie gut war es da, nach so vielen einsamen Spielbesuchen auf der Insel, endlich mal jemanden dabei zu haben, mit dem man die 90 Minuten schön sinnlos verquatschen konnte. So verging die Zeit im Flug und alsbald pfiff der Referee ab. Rochdale hatte das Duell im Mittelfeld der Tabelle mit 1:0 für sich entschieden und darf sich damit auf ein weiteres Jahr in der vierten Liga freuen. Auf dem Rückweg zum Bahnhof machten wir noch einen kleinen Abstecher in die Innenstadt und mussten feststellen, dass die Verschwörung um die fiktive deutsche Stadt mit B auch Komplizen im Ausland hat.

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Kommentare

  1. Verschwörer 05.03.2013 | 22:26 Bielefeld!
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