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ES Troyes AC vs AS Saint-Étienne

  1. Datum 30.03.2013, 17.00 Uhr
  2. Ort Troyes
  3. Stadion Stade de l’Aube » Besuchte Spiele
  4. Liga 1. Liga F (Ligue 1)
  5. Ergebnis 2 : 2 (2 : 2)
  6. Zuschauer 19.841

Allez allez allez: c'est le son de l'année #13 (Teil 2)

Die Nacht war lang, das Bett jedoch viel zu kurz gewesen. Daher hatte ich erst mal genug vom Pilgerleben und machte mich auf die Suche nach Kaffee. Nichts leichter als das, könnte man meinen. Schließlich reiht sich in Frankreich normalerweise eine Boulangerie an die nächste. Nicht so in Auxerre. Nachdem ich die ganze Stadt durchquert hatte und nicht mal im Bahnhof fündig geworden war, hatte ich mich schon fast mit meinem Schicksal abgefunden. Dann schaute ich aber doch noch mal in dem Supermarkt vorbei, der so ziemlich das einzige geöffnete Geschäft weit und breit zu sein schien. Hier fand ich schließlich ein kleines Stehcafé, wo ich mich mit einem Espresso und einem wenig ansprechenden pain au chocolat stärkte. Dann hieß es Abschied nehmen von Auxerre, einer interessanten Stadt, wo architektonischer und sportlicher Glanz auf tiefsten Provinzialismus trifft. Dazu passte, dass vor dem Eingang des modernen Konsumtempels lebendige Hühner feilgeboten wurden, die man nach dem Kauf praktisch im Pappkarton mitnehmen konnte.

Troyes liegt nur 67 km Luftlinie entfernt von Auxerre, doch um von Burgund in die Champagne zu gelangen, war eine abenteuerliche Reise vonnöten. Zunächst ging es wieder nach Migennes, wo der Zug in Richtung Dijon bestiegen wurde. Zehn Minuten später stieg ich wieder aus und fand mich nun auf halber Strecke zwischen zwei Nestern namens Saint-Florentin und Vergigny mitten in der Pampa wieder. Hier war wirklich nix los. Und von hier sollte jetzt ein Bus nach Troyes fahren? Zwar stand auf dem Bahnhofsvorplatz tatsächlich ein betagtes Gefährt, doch von dem Fahrer keine Spur. Aber auf die aufgeblähte öffentliche Verwaltung Frankreichs war Verlass. Selbst in diesem kleinen Kaff saß eine Frau am Bahnhofsschalter, die mir bestätigte, dass die olle Kiste nach Troyes fahren sollte. Jetzt hieß es noch ein wenig abgammeln, bis irgendwann tatsächlich der Busfahrer auftauchte. Der gute Mann schien etwas überrascht über die unerwartete Begleitung und seine Verwunderung nahm noch zu, als er erfuhr, dass er heute einen internationalen Fahrgast befördern durfte.

Und so begann die wilde Fahrt in die Champagne. Auf dem Weg nach Troyes nahm der Bus so ziemlich jedes Dorf mit und schlängelte sich durch die noch so schmalsten Straßen. Ich konnte mich kaum sattsehen und genoss jede Minute. Als wir die Grenze zur Champagne überquerten, änderte sich schlagartig das Bild. Wikipedia hatte mal wieder rechtbehalten, denn plötzlich säumten Fachwerkhäuser mit langen Längs- und wenig Querbalken die Straßen. Diese für die Champagne typische Bauweise konnte ich nach der Ankunft weiter bestaunen, denn auch Troyes verfügt über eine sehenswerte historische Innenstadt. Beim Herumbummeln in den Gassen fiel auf, dass sich schon einige Auswärtsfans in der Stadt befanden. Das ist für Frankreich eher ungewöhnlich, denn bei den meisten Vereinen ist die Zahl der Auswärtsfahrer doch überschaubar. Oft sind im Gästeblock nur Ultras anwesend. Nur wenige Vereine, wie Saint-Étienne, werden auch auswärts von Normalos begleitet.

Je näher ich dem Stadion kam, umso mehr war los auf den Straßen. Ich dachte mir nicht viel dabei und freute mich auf einen vollen Gästeblock. Daher war ich doch sehr überrascht, als plötzlich eine Straßensperre vor mir auftauchte. Ab hier geht’s nur mit Ticket weiter! Und wo kann ich das kaufen? Nirgendwo, das Spiel ist ausverkauft! Bitte was? Nach einem kurzen Moment der Verzweiflung sammelte ich mich und machte mich auf die Suche nach der Kartenmafia. Es dauerte nicht lang und ich fasste einen vielversprechenden Kandidaten ins Auge. Der Kollege war noch sehr jung, womöglich zu jung, denn er verkaufte mir die Karte exakt zum aufgedruckten Preis. Zunächst hatte ich Bedenken, dass die Karte vielleicht gefälscht ist. Doch nachdem ich das Stadion betreten hatte war klar: der Junge war entweder ehrlich oder zu blöd. Allerdings noch lange nicht so blöd wie die Kunden, die direkt vorm Stadion – und damit hinter der Straßensperre – Karten anboten.

Gespannt machte ich mich auf die Suche nach meinem Platz. Ich fand ihn am Ende der Gegengeraden, ganz in der Nähe des Gästeblocks. Perfekt! Da die Plätze in der Mitte meist ein ganzes Stück teurer sind, wäre das mit Sicherheit auch meine Wahl gewesen. Die Sicht auf den Gästeblock war nicht ganz ideal, aber das ließ sich ja noch ändern. Also mal wieder das bekannte Spiel. Am Spielfeld entlanggelaufen und auf Höhe der Mittellinie am Geländer platziert. Dann eine halbe Stunde so getan, als würde mich das Aufwärmen der Spieler wahnsinnig interessieren. Und schließlich beim Einlaufen der Spieler den nächstbesten Platz eingenommen. So hatte ich nun gute Sicht auf den Gästeblock, der zwar ordentlich gefüllt, aber noch nicht beflaggt war. Aber das war ja auch nichts Neues. Mittlerweile glaube ich nicht mehr daran, dass da jedes Mal was dazwischen gekommen ist. Entweder liegt es daran, dass die französischen Ultragruppen schon etwas reifer sind und das ganze Getue nicht mehr so wichtig nehmen. Oder es liegt einfach an der französischen „laissez-faire“-Mentalität, dass der Block nicht wie daheim schon Stunden vorher mit deutscher Gründlichkeit beflaggt ist.

Wie dem auch sei, der Gästeblock war auch ohne Fahnen von Beginn an gut aufgelegt und schmetterte ein Lied nach dem anderen. Dagegen wirkten die Supportversuche von „Magic Troyes“, die sich direkt neben dem Gästeblock im Unterrang platziert hatten, doch etwas kläglich. Aber immerhin wurde sich darum bemüht, den Gästen ein wenig Paroli zu bieten. Im Oberrang beschränkte man sich stattdessen darauf, cool hinter einer großen „Ultras“-Fahne zu lümmeln. Dabei zeigte die vor dem Spieltag auf dem vorletzten Platz logierende Heimelf durchaus eine ansprechende Leistung und glich in der ersten Hälfte zweimal eine Führung des Tabellenvierten aus Saint-Étienne aus. Auch in der zweiten Halbzeit konnte sie das Spiel weiter offen gestalten und holte am Ende einen wohlverdienten Punkt, der in der Endabrechnung allerdings nicht viel nützen dürfte. Auch für Saint-Étienne war das Unentschieden eigentlich zu wenig. Dennoch war die Stimmung ausgelassen, schließlich spielt man zum ersten Mal seit fünf Jahren überhaupt wieder um einen Platz im Europapokal mit. Obwohl noch ein paar Partien in Frankreich auf dem Zettel stehen, lege ich mich schon mal fest: bei den von mir besuchten Spielen war Saint-Étienne stimmungsmäßig sowohl heim, aus auch auswärts klar die Nummer 1.

Nach dem Spiel musste ich mich etwas sputen, denn mein Zug fuhr schon in einer Stunde. Am Ende schaffte ich die reichlich 3 km aber in der Hälfte der Zeit und musste so noch eine Weile auf den Abendzug nach Belfort warten. Nach zwei Stunden Fahrt verließ ich diesen in Vesoul, wo ich – wie schon vor einem knappen halben Jahr – gerade so den letzten Bus erwischte.

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